Wie kritisch ist die Lage der Weltwirtschaft?

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Wie selten zuvor in der Geschichte hängt gegenwärtig eine Vielzahl an Fragezeichen und Damoklesschwertern über der gesamten Weltwirtschaft: Der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit, die starke Verschuldung vieler Unternehmen in China, die hohe Staatsverschuldung Italiens und die grassierende Inflation in der Türkei sind nur einige der Themen, die derzeit Privatanlegern und Fonds in aller Welt Kopfzerbrechen bereiten.

Schwellenländer

Die aktuelle Wirtschaftslage in den Schwellenländern ist weltweit sehr unterschiedlich. Während sich bedeutende Schwellenländer wie Brasilien, Mexiko und Russland auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung befinden, kämpfen andere Länder nach wie vor mit massiven Schwierigkeiten. 

Aus letzterer Gruppe ist vor allem die Türkei zu nennen. Die expansive Fiskalpolitik der letzten Jahre unter Präsident Erdogan hat zu einem starken Anstieg der Verschuldung und gleichzeitig der Inflation geführt. Auch die politischen Streitigkeiten zwischen der Türkei und der Europäischen Union haben ihren Teil zur Verschlechterung der Wirtschaftslage in der Türkei beigetragen.

Ein sehr großes Fragezeichen hängt über der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung Chinas. Zwar verzeichnet der ostasiatische Wirtschaftsgigant nach wie vor beneidenswerte Wachstumsraten von über sechs Prozent jährlich. Doch gleichzeitig sind die Risiken der chinesischen Wirtschaft in den letzten Jahren stark angestiegen. Grund sind vor allem die teils sehr hohe Verschuldung von Großunternehmen, die nur durch die Unterstützung halbstaatlicher Banken am Leben erhalten werden, und der nach wie vor grassierende Handelsstreit mit den USA. Von dessen Weitergang beziehungsweise Beendigung wird die chinesische Wirtschaft in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflusst werden.

Europa

Auch in Europa ist die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten Monate mit großen Unsicherheiten verbunden. Zwar haben sich manche Länder, wie beispielsweise Griechenland und Spanien, in den letzten Jahren recht gut von der Wirtschaftskrise erholt und verzeichnen inzwischen wieder ein solides Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosenquoten. Trotzdem hängen auch über Europa einige große Fragezeichen.

Das gegenwärtig alles beherrschende Thema ist der nahende Brexit. Vor dem Hintergrund der immer noch nicht abschließend geklärten Modalitäten des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union sind weite Teil der europäischen Industrie, sowohl in Großbritannien selbst, als auch auf dem Kontinent, zutiefst verunsichert. Nach wie vor ist völlig unklar, wie die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien geregelt sein werden.

Zu weiterer Verunsicherung vieler Branchen trägt die neue, isolationistische Handelspolitik der Vereinigten Staaten unter Präsident Trump bei. Vor allem für die stark exportorientierte deutsche Industrie sind die Auswirkungen möglicherweise in Zukunft erhobener Zölle noch nicht absehbar. Besonders die deutschen Automobilhersteller könnten davon hart getroffen werden.

Als weiterer großer Unsicherheitsfaktor in Europa ist Italien zu nennen. Der vor wenigen Wochen zu Ende gegangene Streit der neuen rechtspopulistischen Regierung in Rom mit der Europäischen Kommission hat klar gemacht, dass die italische Regierung eine andere Ausgabenpolitik anstrebt, als dies von Brüssel gewünscht wird. Vor dem Hintergrund der bereits sehr hohen Staatsverschuldung Italiens sind die Konsequenzen einer lockeren Fiskalpolitik Italiens auf die gesamte Eurozone noch nicht absehbar. Im Worst Case könnte eine ausufernde Schuldenlast Italiens zu massiven Verwerfungen auf dem europäischen Anleihenmarkt bis hin zu einem drohenden Staatsbankrott führen. Fakt ist, dass Italien viel zu groß ist, um ähnlich wie Griechenland bei einer Staatspleite gerettet werden zu können.

Europäische Banken

Und zu guter Letzt steht es auch um die “Gesundheit” einiger europäischer Banken noch immer nicht zum Besten. Seit der letzten Bankenkrise werden alle größeren und systemrelevanten Finanzinstitute regelmäßigen Stresstests unterzogen, um ihre Überlebensfähigkeit in Zeiten der Krise zu beurteilen. Regelmäßig ergeben diese Tests jedoch, dass viele Kreditinstitute, vor allem in Italien, nach wie vor keine adäquate Kapitalausstattung besitzen, um für den nächsten wirtschaftlichen Abschwung gewappnet zu sein.

Die Europäische Zentralbank steuert deshalb mit ihrer Zinspolitik nach wie vor gegen und führt ihre lockere Geldpolitik der letzten Jahre bis auf weiteres fort. Ein Anstieg der Zinsen in der Eurozone hätte derzeit unabsehbare Auswirkungen auf die Märkte für Aktien und Immobilien. Vor allem aber hätten höhere Zinsen für Anleihen zur Folge, dass die knappen Budgetspielräume vieler europäischer Staaten noch enger würden. Dies wiederum könnte leicht zu wirtschaftlichen und politischen Spannungen zwischen einzelnen Euro-Staaten führen und zur Zerreißprobe für die gesamte Eurozone werden.

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Hubert Beck

Diplom-Kaufmann (FH) Hubert Beck ist bereits seit über 26 Jahren als Selbstständiger Berater und Autor tätig. Bezogen auf das Thema Geld ist seine Auffassung, dass Geld-Wissen wichtig ist: Wie organisiert man sich finanziell? Womit nimmt man Geld ein, und wofür gibt man es aus? Wie gelingt es, dass sich Geld vermehrt? Wie lässt sich Überschuldung verhindern? Wie zieht man sich aus einem wirtschaftlichen Tief wieder nach oben?
Hubert Beck
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