Wie Groß wird die Altersarmut sein?

Ob zukünftige Rentner von Altersarmut bedroht sein werden, ist längst keine Frage mehr. Ungewiss ist nur, wie hoch das Armutsrisiko sein wird. Alarm schlagen alle, die es wissen müssen, bereits heute. “Die Kassen der gesetzlichen Rente sind leer”, sagt etwa Nicolas Kaiser, der ehemaliger Vorstand der gesetzlichen Rentenversicherung (BfA). Er sollte es wissen.

Das Problem ist bereits da

Wenn Sie wissen wollen, wie hoch das Armutsrisiko im Rentenalter sein wird, müssen Sie gar nicht in die Zukunft schauen. Arm ist in Deutschland jemand, der weniger als monatlich 917 Euro zum Leben zur Verfügung hat. Armutsgefährdet sind Menschen aus vielen Altersschichten. Besonders betroffen allerdings sind heute bereits Ältere. Das Statistische Bundesamt bezifferte den Anteil der armen Menschen bei den über 65-Jährigen im letzten Jahr mit 14,4 Prozent. Sozialverbände sagen, dass 15,6 Prozent der Rentner bereits heute zu den Ärmeren in der Bevölkerung zählen. “Wer zum Ende seines Lebens arm ist, kann an seiner Situation selbst kaum viel ändern”, sagt Sozialexperte Johannes Geyer vom DIW, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung .

Von der Altersarmut besonders betroffen sind Frauen. Sie sind im Durchschnitt wesentlich schlechter abgesichert als Männer. Sie leben länger und wenn ihr Partner stirbt, erhalten sie als Witwenrente nicht die volle Rentenzahlung, die dem Ehemann zugestanden hätte. Ein weiteres Armutsrisiko sind die Hungerlöhne im Niedriglohnsektor. Bei nicht einmal neun Euro in der Stunde liegt heute der Mindestlohn. Viel zu wenig, um drohende Altersarmut abzuwenden. Ein Vollbeschäftigter braucht einen Lohn von etwa 14 Euro in der Stunde, um an seinem Lebensabend über die Grundsicherung von derzeit 399 Euro zu kommen. Ein Drittel der Deutschen hat das nicht. Das deckt sich mit den neuesten Zahlen des DIW. Dort sieht man im Jahr 2036 jeden fünften 67-Jährigen von Armut im Alter bedroht.

Die Kassen sind leer

“Altersarmut droht für Millionen”, sagt auch der ehemalige BfA-Vorstand Nicolas Kaiser. Da könne auch die gesetzliche Rente nichts ausrichten. Im Gegenteil. Die Realität sei, dass sich ein Versicherter mit seiner Rente in naher Zukunft im Rahmen zwischen 30 und 60 Prozent seines letzten Nettoeinkommens befinden werde. Denn von seiner Bruttorente gehen auch noch immer höhere Beiträge für Kranken– und Pflegekasse ab. Allein bei der Krankenversicherung werde ein Beitrag von bis zu 22 Prozent und bei der Pflege von 6 Prozent nötig, um die steigenden Kosten nur annähernd zu decken, die durch eine Überalterung der Gesellschaft entstehen. Eine normale Rente gibt diese Kosten nicht mehr her.

Werden die Sparer enteignet?

Um dem Armutsrisiko zu begegnen, müsste heute jeder konsequent privat vorsorgen und ein zusätzliches Einkommen für sein Rentenalter ansparen. Derzeit aber macht die Europäische Zentralbank (EZB) auf Kosten aller Sparer mit ihren niedrigen Zinsen weiter. Und nicht nur das. Während die Sicherheiten für aller Rentner und Arbeitnehmer wegfallen, sind Europas Politiker dabei, immer mehr neue Sicherheitsnetze für Banken zu knüpfen. Deutsche Sparer könnten schon bald für die Geldinstitute in Europa haften. Denn inzwischen hat Kanzlerin Angela Merkel den Widerstand gegen die gemeinsame Einlagensicherung in der EU aufgegeben. Damit droht deutschen Sparern neues und unvergleichlich größeres Ungemach. Dabei sollten diese eigentlich für ihr Alter vorsorgen, weil es die gesetzliche Rentenkasse allein nicht mehr schafft.

Hubert Beck

Hubert Beck

Diplom-Kaufmann (FH) Hubert Beck ist bereits seit über 26 Jahren als Selbstständiger Berater und Autor tätig. Bezogen auf das Thema Geld ist seine Auffassung, dass Geld-Wissen wichtig ist: Wie organisiert man sich finanziell? Womit nimmt man Geld ein, und wofür gibt man es aus? Wie gelingt es, dass sich Geld vermehrt? Wie lässt sich Überschuldung verhindern? Wie zieht man sich aus einem wirtschaftlichen Tief wieder nach oben?
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