Vernichtet die Geldpolitik der Banken Wohlstand, statt ihn zu fördern?

Die jetzige Geldpolitik ist gut für die Wirtschaft. Notenbanker, nicht nur in den USA, werden nicht müde, das zu behaupten. Und während die FED die Zinsen künstlich klein hält, machte die EZB mit milliardenschweren Käufen von Staatsanleihen vor Jahren irrsinnige Geldpolitik. Erlaubt sei die Frage, ob die Banken so den Wohlstand eher vernichten, statt ihn zu schaffen.

Scharfe Kritik an der Geldpolitik

Eine der schärfsten Kritikerinnen der FED ist Danielle DiMartino Booth. Die derzeitige Chefin von Money Strong LLC, einem US-Finanzverwalter, brandmarkt das Klammern der meist unerfahrenen Akademiker in der US-Notenbank an fragwürdige Modelle. Niedrige Zinsen seien wie Heroin, so Booth. Sie verleiten die Politiker dazu, Schulden über Schulden zu machen. Wichtige Reformen der Sozialsysteme gerieten dabei aus dem Blick. Dauerhaft niedrige Zinsen sind auch Gift für Sparer und hier vor allem für Millionen von US-Rentnern. Für ihre finanzielle Unabhängigkeit im Alter wäre gerade diese Zielgruppe auf Zinseinnahmen angewiesen. Ihr Geld aber steckt auch in Anleihen, deren Wert immer fraglicher wird. Durch das Rattern der Gelddruckmaschinen sind die Bilanzsummen der Notenbank der USA, der japanischen Notenbank und nicht zuletzt der EZB um Billionen gewachsen. Ein Verkauf der Papiere sei laut Booth kaum noch möglich, ohne dass der Anleihenmarkt kollabiert.

Bankenkrirse am Horizont

Eine neue Bankenkrirse sieht auch der Ökonom Markus Krall am Horizont aufziehen. Erreichen werde sie Deutschland etwa zur Mitte der nächsten Legislaturperiode, so der promovierte Volkswirt mit über 25 Jahre Expertise m Risikomanagement von Bank- und Versicherungswirtschaft. Im Blick hat er die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Deren Nullzinspolitik, mit der sie vorgab, Zeit für Reformen zu kaufen, ritt Länder wie Italien, Griechenland oder Frankreich noch tiefer in den Sumpf von Schulden, statt deren finanzielle Unabhängigkeit durch nötige Reformen zu befördern.

Das Problem des billigen Geldes trifft die Banken hart. Mit ihrem ursprünglichen Geschäftsmodell, Geld in Form von Einlagen hereinzunehmen und auf der anderen Seite Kredite auszureichen, können sie schon lange keine ausreichenden Erträge mehr erzielen. Weil der Zins für Tagesgeld negativ ist, bleiben auch die Sparmargen auf der Strecke. Ein Sparer, der sein Geld zur Bank bringt, um sich durch Sparen Wohlstand und finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, ebenfalls.

Die Spinne im Netz

Doch die Banken stellen mit ihrem Gebaren nicht nur eine Gefahr für den Wohlstand dar. Sie sind auch eine existenzielle Bedrohung für die europäischen Demokratien. Das sagt der Dokumentarfilmer Michael Oswald. Der Banken-Kritiker ist Produzent und Regisseur und beleuchtete zuletzt im Dokumentarfilm “The Spider´s Web” die Rolle der City of London als eine “Spinne im Netz” der Finanzwelt.

Die jüngsten politischen Entwicklungen in Europa – und übrigens nicht nur da – geben ihm Recht. In den vergangenen 18 Monaten haben rechtsextreme Parteien starken Zuspruch in erster Linie unter den jungen Wählern erhalten. Die Parteien der Mitte verlören an Rückhalt, stell ( ) fest. Und auch das Vertrauen in öffentliche Institutionen sei stark erschüttert. Auch hier sei die Ursachen in der wachsenden Ungleichheit und dem sich ausbreitendem Gefühl zu suchen, dass es in der Wirtschaft alles andere als fair zugeht.

Gestärkt wurde das Misstrauen gegenüber den Eliten zusätzlich durch die Bankenkrirse 2008/2009 und den Umgang der Regierungen damit. Austeritätsprogramme machten die Menschen ärmer und ihre wirtschaftliche Lage unsicherer und die Eliten reicher. Heute agieren Geldinstitute wieder wie vor der Bankenkrise. Eine funktionierende Demokratie brauche es Rechenschaftspflichten und Transparenz, mahnt Oswald. Aber genau das lieferten die Banken nicht.

Hubert Beck

Hubert Beck

Diplom-Kaufmann (FH) Hubert Beck ist bereits seit über 26 Jahren als Selbstständiger Berater und Autor tätig. Bezogen auf das Thema Geld ist seine Auffassung, dass Geld-Wissen wichtig ist: Wie organisiert man sich finanziell? Womit nimmt man Geld ein, und wofür gibt man es aus? Wie gelingt es, dass sich Geld vermehrt? Wie lässt sich Überschuldung verhindern? Wie zieht man sich aus einem wirtschaftlichen Tief wieder nach oben?
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