Werden die Sparer zur Melkkuh in Europa?

Jetzt ist es also doch soweit: Die deutschen Sparer könnten bald schon für marode Banken im Euroraum haften. Den deutschen Widerstand dagegen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel inzwischen aufgegeben. In einer nicht ganz so fernen Zukunft, so die CDU-Politikerin, könne sie sich ein gemeinsames System der Einlagensicherung vorstellen. Wird der Sparer nun zur Melkkuh Europas?

Gemeinsame Schulden möglich

Abgezeichnet hat sich der Schwenk der Bundeskanzlerin schon vor einiger Zeit. Auch wenn es den deutschen Sparer nicht gefallen wird: Gemeinsame Euro-Schulden sind für Angela Merkel kein Tabu mehr. Wenn sich durch Europa die Dinge besser regeln lassen, sei Deutschland bereit, Souveränität abzugeben, so die CDU-Politikerin. Deshalb sei das Land auch bereit, eine Bankenunion mitzumachen. Jetzt gehe es um den Abbau von Risiken. Weitere Gespräche in Richtung einer echten Bankenunion könne man sich aber durchaus vorstellen.

Währungsunion bringt weitere Euro-Schulden

Die Risiken einer weiteren Überschuldung im Euroraum sind nicht zu übersehen. Kommt die Bankenunion, stehen die Institute in den einzelnen Ländern füreinander ein – und zwar ohne Wenn und Aber. Als Sparer dürfen Sie sich das so vorstellen: Sie legen Euro für Euro auf die hohe Kante, während Ihr Nachbar einen Kredit nach dem anderen aufnimmt und zwar ohne Ihnen genau zu sagen ob und wie er das Geld zurückzahlen will. Das Problem sind, wie so oft, die Geldinstitute im Süden des Kontinents. Hier geht es mit dem Abbau fauler Kredite nur langsam voran. Italien zum Beispiel meldete jüngst zwar den Verkauf einiger Milliarden an Investoren. Das aber ist lediglich ein kleiner Teil
der faulen Kredite. Und auch Deutschland sollte sich eher mit Kritik zurückhalten. Einen globalen Player gibt es hier nicht, mal abgesehen von der Deutschen Bank. Große Sorgen dagegen bereiten die Landesbanken.

Deutschland muss Hausaufgaben machen

Damit es den Sparern bald wieder besser geht, sollte Deutschland also seine Hausaufgaben machen. Leben auf Pump ist auch hierzulande ein weit um sich greifendes Problem. Es ist nicht nur die Schuldenspirale, die Angst einflößt. Viel bemerkenswerter ist der Umstand, dass die natürlichen Ressourcen schrumpfen – auch hierzulande.

Und auch auf anderen Gebieten hat Deutschland durchaus Nachholbedarf. Im internationalen Korruptionsindex ist die Bundesrepublik inzwischen auf Rang 12 abgerutscht. Der VW Abgasskandal, so sagen zum Beispiel Verbraucherschützer, zeugt von mangelnder Kontrolle der Wirtschaft durch unabhängige Institutionen. Das alles droht, unseren Wohlstand zu gefährden. Und nicht nur das: In Sachen Digitalisierung hat Deutschland den Anschluss schon lange verloren. Was etwa den Anteil der Glasfaserleitungen an der Zahl der Breitbandanschlüsse betrifft, ist die Bundesrepublik nun bereits hinter Länder wie Portugal, Lettland oder die Türkei gerutscht. Vom Gesundheitssystem, das dringend reformiert werden müsste, ganz zu schweigen.

Für das Musterland Deutschland gibt es also viel zu tun. Deshalb ist es auch in Zukunft wichtig, finanzielle Ressourcen gezielt einzusetzen. Ob der Weg in eine noch höhere Verschuldung der richtige ist, ist dabei mehr als fraglich.

Hubert Beck

Hubert Beck

Diplom-Kaufmann (FH) Hubert Beck ist bereits seit über 26 Jahren als Selbstständiger Berater und Autor tätig. Bezogen auf das Thema Geld ist seine Auffassung, dass Geld-Wissen wichtig ist: Wie organisiert man sich finanziell? Womit nimmt man Geld ein, und wofür gibt man es aus? Wie gelingt es, dass sich Geld vermehrt? Wie lässt sich Überschuldung verhindern? Wie zieht man sich aus einem wirtschaftlichen Tief wieder nach oben?
Hubert Beck
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