Steht die nächste große Inflation kurz bevor?

In den Nachrichten mehren sich die Fragen nach der Währungsstabilität. Schwankende Wechselkurse, hohe Schulden, Forderungen des IWF und eine weiterhin laxe Geldpolitik scheinen Vorboten zukünftiger Währungskrisen zu sein. Doch steht die große Geldentwertung tatsächlich kurz bevor? Oder handelt es sich dabei eher um übertriebene Panikmache?

Markt wird noch immer mit günstigem Kapital überschwemmt
Kaum noch jemand geht davon aus, dass das aktuelle, niedrige Zinsniveau in absehbarer Zeit angezogen wird. Damit läuft die internationale Notenpresse auch in Zukunft auf Hochtouren. Laut Finanzexperte Bert Flossbach birgt dies für Sparer das Risiko, dass Kapital im Falle einer erhöhten Inflation stark entwertet würde. Vor allem in Deutschland legen die meisten ihr Geld auch weiterhin nur in als sicher geltende Sparkonten an. Die generelle Abneigung gegenüber Aktien und anderen Anlagevehikeln könne dazu führen, dass Sparer in Zukunft besonders stark von der Inflation getroffen würden.

Schulden der südeuropäischen Länder auch weiterhin ein Thema
Besonders Italien kämpft seit Jahren gegen die eigenen, stetig wachsenden Schulden. Auch generell sei die Europakrise noch nicht vollständig übertsanden. Auch wenn der Kontinent zuletzt sogar die USA in Sachen Wachstum übertraf, kann es in Zukunft schnell zu Rückfällen in alte Muster kommen. Dies ist einer der Hauptgründe, warum die Währungshüter auch weiterhin die Notenpresse laufen lassen. Ein Weiterer mag darin liegen, dass eine erhöhte Inflation auch den Wert der Schulden verringern würde. Für angeschlagene Staaten wäre dies eine Möglichkeit, auch ohne Schuldenschnitt oder Sparkurs die eigenen Verbindlichkeiten spürbar zu verringern – zu Lasten der Sparer. Zeitgleich würden auch die Steuereinnahmen, bedingt durch das, zumindest auf dem Papier, höhere Einkommen steigen. Damit hätten besagte Staaten ein nicht unwesentliches Motiv, die Notenpresse auch weiterhin laufen zu lassen und dadurch auf eine erhöhte Geldentwertung zu spekulieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) forderte zuletzt ebenfalls eine solche Entschuldung.

Wechselkurse zurzeit noch stabil
Trotz einer relativen Stärke des Euros in den letzten Monaten, kann von hohen Kursschwankungen derzeit noch keine Rede sein. Eine hohe Geldentwertung ist demnach noch nicht erkennbar. Da Wechselkurse durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, würde ein massiver Anstieg oder ein deutlicher Kursrückgang eines bestimmten Währungspaars (z.B. EUR-USD), eine Kapitalflucht und damit fehlendes Vertrauen andeuten. Laut Ökonom Paul Krugman könne sich dies jedoch schnell ändern. Im Falle eines akuten Vertrauensverlusts, können auch die Währungsreserven die Stabilität nicht mehr gewährleisten und eine Neuauflage vergangener Währungskrisen stünde bevor.

Natürlich gab es immer wieder Phasen in der Geschichte, in denen selbsternannte und auch tatsächliche Experten den neuen großen Crash ausgerufen haben. In den meisten Fällen bliebt am Ende alles beim Alten. Bedingt durch die bereits lange andauernde Politik des günstigen Geldes und der bisher immer noch stabilen Währung, ist zumindest in der nahen Zukunft eine hohe Inflation unwahrscheinlich. Daran ändert auch eine Forderung des IWF zunächst nichts. Dennoch ist es in der aktuellen Niedrigzinsphase ratsam, das eigene Geld nicht auf dem Sparbuch zu lassen, sondern es an den Finanzmärkten bzw. vor allem in Sachanlagen zu investieren. Das löst nicht nur die Zins-Problematik, sondern schützt gleichzeitig auch vor möglichen, zukünftigen Währungskrisen.

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