Stehen uns neuerliche Börsenturbulenzen kurz bevor?

Immer wieder hören wir in den Nachrichten von Spekulationen über die zukünftige Entwicklung der Aktienmärkte. Ein schwacher Dollar, Veränderungen bei den geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken (das QE-Gelddrucken) und eine Überbewertung der Unternehmen seien alles Indikatoren für einen nahenden Crash. Doch ist die Gefahr wirklich so real wie häufig berichtet wird?

Europäische Zentralbank erwägt Ende des Anleihen-Kaufprogramms
Schon länger ist klar, dass Veränderungen der aktuellen Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank kurz bevorstehen könnten. Auch wenn EZB-Ratsmitglied Klaas Knot eine Zinserhöhung auf absehbare Zeit für unwahrscheinlich hält, könnten zumindest die Anleihenkäufe in naher Zukunft ein Ende finden. Dies erhöhe das Risiko eines Rückfalls in die Schuldenkrise und damit eines Einbruchs der globalen Aktienmärkte.

Überraschend ist auch, dass sich Noch-Bundesfinanzminister Wolfang Schäuble ebenfalls vor kurzem kritisch zu der Thematik geäußert hat. Gerade jetzt, wo das Ende seiner Amtszeit immer näher rückt, betont er, wie groß die Gefahr einer Blasenbildung sei. Er stimmt dabei mit vielen anderen Ökonomen überein, dass die Hauptschuld im QE-Gelddrucken des vergangenen Jahrzehnts seitens der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank liege. Ob es sich dabei jedoch nur um einen politischen Schachzug oder um ernst gemeinte Besorgnis handelt, ist unklar.

Schluss mit der laxen Geldpolitik auch am US-Aktienmarkt
Auch die US-Notenbank Fed kündigte einen Rückgang in Sachen QE-Gelddrucken an. Im Land des Dollar sei eine weitere Erhöhung des Leitzinses ebenfalls nicht mehr auszuschließen. Experten gehen davon aus, dass dies die Aktienmärkte in den ersten richtigen Bärenmarkt seit etwa zehn Jahren stürzen könnte. Auf jeden Fall seien vorübergehende Korrekturen als Reaktion auf den Abbau der geldpolitischen Maßnahmen durch die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank denkbar. Morgan-Stanley-Analyst Mike Wilson geht davon aus, dass wir im Laufe des Jahres 2018 einen Rückgang um rund 20% am US-Aktienmarkt erleben werden. Die außerordentlich gute Entwicklung der vergangenen Dekade sei vor allem auf das hohe Liquiditätsniveau zurückzuführen. Dieses Fundament drohe nun zusammenzubrechen.

Auch die Aktienmärkte laufen allmählich heiß
Zudem seien viele Unternehmen inzwischen deutlich überbewertet. In den vergangenen Jahren konnten die meisten Organisationen überdurchschnittliche Gewinnsteigerungen und eine geringe Volatilität verzeichnen. Dies führte zu entsprechend optimistischen Kursbewegungen am US-Aktienmarkt, sowie an den globalen Finanzmärkten. Börsenturbulenzen seien daher nicht mehr auszuschließen. Auch das vom Wirtschaftsnobelpreisträger und Professor an der Yale University Robert Shiller entwickelte CAPE (cyclically adjusted price-to-earnings ratio – also eine Art konjunkturellen KGVs für den gesamten Markt) deutet mit einer aktuellen Bewertung von nur 30 darauf hin, dass es in absehbarer Zeit rau werden könnte an den Börsen. Zum Vergleich: Im historischen Kontext gesehen, deutete ein geringer CAPE, also ein hoch bewerteter Aktienmarkt, immer auf eine bevorstehende Baisse hin.

Insgesamt lässt sich die genaue Entwicklung natürlich von niemandem ganz genau vorhersagen. Auch, wenn sich die Indizien für einen bevorstehenden Rückgang verdichten und der Dollar sogar bereits an Stärke verloren hat, kann der nächste Bärenmarkt noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Klar ist nur, dass wir früher oder später wieder vor neuerlichen Börsenturbulenzen stehen werden. Ob sie jedoch schon morgen beginnen oder erst in weiteren zehn Jahren bleibt ein Geheimnis.

5.00 avg. rating (100% score) - 1 vote

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.