Paradise Papers – Panama Papers – viel Trubel um nichts?

Geheime Papiere enthüllen, wie sich Superreiche, unbelästigt von jeglicher Steuerpflicht, in ihrem Kosmos eingerichtet haben. Uns erscheinen die Paradise Papers wie ein Aufguss der Panama Papers. Werden sie etwas bewirken? Gibt es Steuerrazzien und Anklagen wegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung? Kommt ein Verbot von Offshore-Fonds und Briefkastenfrmen? Natürlich nicht: Die Aufregung hat sich schon gelegt.

Bekannte Instrumente

Denn was ist eigentlich passiert? Wir wissen doch längst, dass es Unternehmen, Reiche und Superreiche gibt, die jeden Trick und jeden Kniff nutzen, um Steuern zu sparen. Uns ist klar, dass rund um den Globus hoch bezahlte Anwaltskanzleien jede Möglichkeit ausreizen, ihren Mandanten durch windige Geschäfte und anrüchige Steuertricks den Fiskus vom Hals zu halten. Nur die Namen sind jedes mal anders. Diesmal ist es die Anwaltskanzlei Appleby, die den reichen Herrschaften zu Diensten war. Seinen Sitz hat der globale Rechtsdienstleister auf der Isle auf Man. Von dort fädelte er für seine Kunden aus den feinsten Kreisen die Geschäfte ein. Zum Baukasten der genutzten Instrumente gehörten Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Vermeidung von Steuerprogressionen. Auch mit Steuersplittung durch Briefkastenunternehmen auf den Bermudas und in Offshore-“Steueroasen” mogelte man sich an den Finanzbehörden vorbei.

Höchste Kreise

Die Liste der Klientel von Appleby liest sich wie das “Who is Who” aus Gesellschaft, Sport und Wirtschaft. Sie umfasst über 120 Politiker aus weit mehr als 50 Ländern, Firmenbosse und Weltkonzerne. Zwei Minister der US-Administration unter Trump sind darunter, ein Weltmeister aus der Formel-1 und sogar die britische Queen. Wo Steuervermeidung das höchste Ziel ist, dürfen natürlich auch diverse Firmen aus Deutschland nicht fehlen. Neben dem Autovermieter Sixt werden die Allianz, die Deutsche Post, Siemens, Bayer und die Deutsche Bank in Zusammenhang mit den “Paradise Papers” genannt. Alles gute Bekannte.

Hartes journalistisches Handwerk

Aufgedeckt wurden die Deals von Journalisten des internationalen “Netzwerkes investigativer Journalisten” (ICIJ). Zu dem Verbund gehören neben Reportern aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien auch Redakteure der Süddeutschen Zeitung und des WDR. Ein Jahr lang werteten sie 13,4 Millionen Dokumente aus. Erfahrungen mit der Materie sammelten die Berichterstatter bereits im Zusammenhang mit den Panama Papers. Hier führten 11,5 Millionen Dateien, E-Mails Kontoauszüge und E.Mails zu über mehr als 200.000 halblegalen und illegalen Gesellschaften. Im Fokus damals: Politiker und Staatschefs.

Legal, illegal, schei….egal?

Heute spricht kaum noch jemand über die Panama Papers oder die Paradise Papers. Warum auch? “Bei den Praktiken geht es gar nicht so sehr um etwas Illegales” sagt Mike McIntire. Für die “New York Times verfolgte er ganz besonders heiße Spuren. “Es geht viel mehr darum, wie sehr reiche Menschen ganz legal Steuern vermeiden.” In einer Welt, die Profit über alles stellt, ist das nach Ansicht des Enthüllungsjournalisten noch viel empörender als jede noch so kriminelle Energie.

Wie lange die Empörung anhält, ist absehbar. Nachrichten wie diese sind nicht mehr als Opium fürs Volk . Nach einer kurzen, heftigen Aufregung spricht in 2 Wochen niemand mehr darüber. Je mehr “Papers” auftauchen, umso größer wird das Desinteresse.

Wolfgang Schäuble (CDU), jetzt Bundestagspräsident, hat bereits resigniert. Als Finanzminister gingen ihm durch Steuerhinterziehung pro Jahr rund 100 Milliarden Euro verloren. Das ungenügende Vorgehen des Staates gegen solche Steuertricks ist ihm wohl bewusst. Die Globalisierung sei Ursache, meint Schäuble. Transaktionen kann jeder überall tätigen, so Schäuble: “Die Möglichkeiten, günstige steuerliche Gestaltungen zu finden, sind damit unendlich.” Es sein halt wie bei einer Hydra. Wenn man einen Kopf abschlägt, wachsen zwei andere Köpfe nach. Was also soll die Aufregung?

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