Konjunktur auf Pump: Wann holt uns die Realität ein?

Allen Unkenrufen zum Trotz hält die Konjunktur in den Vereinigten Staaten an. Zwar warnen seit vielen Jahren erfahrene Finanzprofis, wie Albert Edwards, Stratege der Société Générale, vor dem nächsten großen Crash. Doch dieser lässt noch immer auf sich warten. Eine Entwarnung für den Finanzmarkt ist das aber nicht. Der ist alles andere als stabil und der nächste Ausverkauf steht bevor.

Schulden stützen die Konjunktur 

Dass er mit seiner Einschätzung von einem bevorstehenden Zusammenbruch am US-Aktienmarkt falsch lag, gibt Albert Edwards inzwischen unumwunden zu. Nach dem Debakel des Jahres 2008 ist er zunächst davon ausgegangen, dass der darauf folgende Anstieg am Aktienmarkt nur ein kurzes Zwischenspiel bleibt und die US-Wirtschaft schnell wieder in die Rezession rutschen wird. Beispiele in der Börsengeschichte gibt es genug. In Japan etwa hat die Konjunktur nach dem Platzen der Immobilienblase mehrere Jahre gebraucht, um wieder in Schwung zu kommen. Ein ähnliches Szenario hat die US-Notenbank jetzt durch exzessives Gelddrucken und Zinsen auf Rekordtief erfolgreich abgewendet, mit der Folge, dass sich private Haushalte und Unternehmen wieder kräftig in Schulden stürzten. Im Jahr 2017 wuchs die Verschuldung von Staat, Privatsektor und Firmen um schwindelerregende 1,83 Billionen Dollar an. Die Wirtschaft wuchs zur gleichen Zeit nur um 766,1 Milliarden Dollar.

Die Realität lässt sich nicht ausblenden

Doch ein durch Schulden gestützter Konjunkturaufschwung birgt Gefahren, Zwar ist die gegenwärtige Rallye die zweitlängste in der Historie der USA. Investoren aber seien gewarnt. Denn wer eine Rezession nur verschiebt, weitet sie aus, weil die Exzesse bei den Schulden zunehmen, sagt Finanzprofi Albert Edwards. Ein Beispiel ist wiederum Japan. Auch hält die Konjunktur an. Inzwischen hat die japanische Notenbank ihr Inflationsziel bereits zum sechsten Mal verschoben. Experten sehen darin ein Zeichen für die bevorstehende weitere Aufweichung der Geldpolitik in Japan. Bis wann das Ziel von zwei Prozent Inflation erreicht werden kann, darüber geben die Währungshüter
keine Auskunft.

Der Kurseinbruch wird heftig

In den letzten Monaten sind die Analysten der Bank of America verstärkt skeptisch für den Aktienmarkt geworden. Kein Wunder, zeigen sich doch fatale Parallelen zu den Ereignissen in den späten 1990iger Jahren. In der Zeit vom Juli 1997 bis Oktober 1998 brachen in den Emerging Markets die Aktien auf Basis des US-Dollars um satte 59 Prozent ein. Gleichzeitig wurden in diesen Märkten viele Währungen abgewertet. Eine Krise in den Emerging Markets zeigt sich auch heute. Währungen, wie der argentinische Peso, die türkische Lira oder der brasilianische Real brechen ein. Für die weltweiten Aktienmärkte ist das ein schlechtes Vorzeichen. Unternehmen und Haushalte in den Ländern müssen für ihre Dollar- und Euro-Kredite mehr Geld in heimischer Währung aufbringen. Zur gleichen Zeit schießen die Zinsen nach oben. Das setzt die Aktienmärkte stark unter Druck. Ein Ausverkauf ist also nur eine Frage der Zeit.

Hubert Beck

Hubert Beck

Diplom-Kaufmann (FH) Hubert Beck ist bereits seit über 26 Jahren als Selbstständiger Berater und Autor tätig. Bezogen auf das Thema Geld ist seine Auffassung, dass Geld-Wissen wichtig ist: Wie organisiert man sich finanziell? Womit nimmt man Geld ein, und wofür gibt man es aus? Wie gelingt es, dass sich Geld vermehrt? Wie lässt sich Überschuldung verhindern? Wie zieht man sich aus einem wirtschaftlichen Tief wieder nach oben?
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