Ist die Bankenkrise zurück und fordert ein Umdenken?

Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Großen Koalition, hat es sich anders überlegt. Stillschweigend gab sie nun den Widerstand der Bundesrepublik gegen die gemeinsame europäische Einlagensicherung auf. Dabei wurde sie recht deutlich. Schon bald, so die CDU-Politikerin, könnten die deutschen Sparer für die Geldinstitute Europas haften. Die allerdings wollen wissen, was mit ihrem Sparvermögen wird, wenn die eigene Bank Pleite geht. 

Einlagensicherung hilft wohl kaum

Einer Studie zufolge könnte die unter Experten und Sparern trotz Einlenken von Frau Merkel heftig umstrittene EU-Einlagensicherung nur schwer die Gefahren auffangen, die durch faule Bankkredite ausgelöst werden. Neben diesen sogenannten non-performing loans (NPL) gibt es längst weitere bedeutsame Risiken. Sie verstecken sich in den Bilanzen der systemrelevanten Institute der Eurozone. Nach Einschätzung des renommierten Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ist der Bestandteil an faulen Krediten bei den verschiedenen Häusern inzwischen so verschieden hoch, dass die Einlagensicherung im Euro-Raum wohl zum permanenten Transfermechanismus werden müsste. 

Beispiele gefällig? In Italien ist eine Bankenkrise als Folge von NPLs sehr hoch. Eine große Zahl italienischer Banken haben zehn und sogar mehr Prozent dieser Kredite in ihren Bilanzen. Die italienischen Kreditinstitute haben außerdem 189 Milliarden Euro an NPLs abzutragen. Und das, obwohl sie rund 47 Milliarden Euro schon im Jahr 2016 abgestoßen haben. In Spanien schleppen die Geldhäuser rund 100 Milliarden Euro faule Kredite mit sich herum, in Frankreich schlummern 85 Milliarden Euro an faulen Krediten in den Bilanzen der Geldhäuser. 

Auch deutsche Banken mit Problemen

Dabei müssen wir gar nicht über die Alpen oder weiter nach Westen schauen, um Probleme auszumachen. In der Bundesrepublik lag in der Vergangenheit die Summe der faulen Kredite bei 48 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon ist auf das Konto der HSH Nordbank gegangen. Zwar hat diese ihr Portfolio an NPLs im vorigen Jahr auf 6,7 Milliarden Euro halbiert. Außerdem verkaufte sie im Rahmen der Privatisierung ein weiteres Paket im Umfang von 6,3 Milliarden Euro. Aber die Gefahr, dass faule Kredite auch zukünftig die Bilanzen der Banken in Deutschland belasten, bleibt bestehen. Kommt der europäische Einlagesicherungsfonds, dann werden die deutschen Sparer, die mit ihrem Sparbuch die Rettung inländischer Geldinstitute ermöglicht haben, auch europäische Altlasten entsorgen müssen.

Steigende Zinsen sorgen für große Gefahren

Durch die von der EZB initiierten steigenden Zinsen werden Banken zusätzlich mit Problemen konfrontiert. Zunächst steigen die notleidenden Kredite an. Zusätzlich wird es für die Institute noch schwieriger, ihre langfristig mit Mini-Zinsen angereicherten Kredite profitabel zu refinanzieren. Fallende Vermögenspreise führen drittens zu Verlusten. Dann geraten auch Regierungen in Schwierigkeiten. Denn wegen der Verluste werden Bankhäuser genötigt sein, ihr Angebot an Krediten zurückzufahren, weil ihr Eigenkapital schrumpft. Das zieht eine schwere Rezession nach sich, weil das Angebot an Geld zurückgeht. Damit gefährdet die Krise nicht nur das System der Banken. Auch der Euro als Ganzes ist in Gefahr.

Der Steuerzahler übernimmt die Zeche

Am Ende bleibt das Problem mal wieder am Steuerzahler hängen. Das gilt europaweit, denn die erneut aufziehende Krise bedroht nicht nur das Geldvermögen deutscher Sparer. Was die sicherste Vorsorge ist, ob es lohnt, in Immobilien, Edelmetalle oder Aktien zu investieren, wird sich noch zeigen. Auf jeden Fall sollten Sie wachsam sein und Ihr Geld rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Hubert Beck

Hubert Beck

Diplom-Kaufmann (FH) Hubert Beck ist bereits seit über 26 Jahren als Selbstständiger Berater und Autor tätig. Bezogen auf das Thema Geld ist seine Auffassung, dass Geld-Wissen wichtig ist: Wie organisiert man sich finanziell? Womit nimmt man Geld ein, und wofür gibt man es aus? Wie gelingt es, dass sich Geld vermehrt? Wie lässt sich Überschuldung verhindern? Wie zieht man sich aus einem wirtschaftlichen Tief wieder nach oben?
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