Böses Erwachen: Mit offenen Augen in die nächste Finanzkrise?

Vor schweren Verwerfungen im Weltfinanzsystem warnt die Deutsche Bank. Für das Geldhaus steht fest, dass der nächste Schock im Finanzsystem kommen wird. Einer Analyse mit dem Titel “Die nächste Finanzkrise” zufolge steht eine Erschütterung von großem Ausmaß bevor. Wann genau sie das Finanzsystem durcheinander wirbeln wird, wissen die Analysten nicht. Aber sie sind sich sicher, dass es schon innerhalb der nächsten zwei Jahre sein wird.

Das Ende von Bretton Woods

Grund für das sich schneller drehende Karussell der Krisen sei die Abschaffung von Bretton Woods, meint Jim Reid. Seitdem die US-Regierung unter Präsident Richard Nixon die Goldbindung des Dollars im Jahr 1971 aufkündigte, würde eine Erschütterung der anderen folgen, so der Chefstratege der Deutschen Bank. Die Abkehr vom goldgestützten Geld und die Hinwendung zum Geldsystems ohne inneren Wert, auch Fiat-Geld genannt, haben sämtliche böse Geister geweckt. Ihre Namen sind: Schöpfung von Kredit quasi aus dem Nichts, sich ausdehnende Geldpolitik, schneller steigende Schulden, Haushaltsdefizite, Finanzkrise …….

Mit ihrer Politik der Schuldscheine und des billigen Geldes dreht die Europäische Zentralbank (EZB) die Spirale nur bis zur nächsten Finanzkrise weiter. Der EZB mochte man einst gute Absichten unterstellen, immerhin wollte sie den Regierungen Zeit kaufen. Doch gut gemeint ist nicht gut gemacht. Vor allem deshalb nicht, weil Europas Regierende diese Zeit nicht für dringende Reformen genutzt haben.

Kaum ein Weg aus dem Teufelskreis

Längst bleibt der EZB bei ihrer Politik der Schuldscheine nur die Wahl zwischen zwei gleich großen Übeln. Setzt sie ihre Geldpolitik fort, rutschen Banken in Europa in die roten Zahlen. Ihr Geschäftsmodell, Geld einzunehmen und Kredit gegen Zinsen auszureichen, funktioniert wegen der Nullzinspolitik schon lange nicht mehr. Eine Leitzinsanhebung stürzt dagegen genau jene Unternehmen in den Abgrund, die sich mit Hilfe des Anleihe-Kaufprogramms billig verschuldet haben. Ähnlich geht es den Staatshaushalten als Profiteure des Anleihe-Kaufprogramms der EZB. Sie hängen an der Nullzinsen Zentralbank wie an einem Tropf. Eine Leitzinsanhebung würde sie reihenweise kollabieren lassen.

Angesichts solcher Szenarien verwundert es nicht, dass die Zentralbanker Europas sich nicht einigen können, wie ein Ende des Anleihe-Kaufprogramms aussehen könnte. Eine gemeinsame Linie aller 19 Mitgliedsbanken ist jedenfalls nicht in Sicht. Die Vorstellung der Ratsmitglieder reicht vom einem quasi kalten Entzug durch den plötzlichen Stopp der Käufe an einem verbindlich festgelegten Abschlussdatum bis hin zu vorsichtigen Ausschleichen durch monatliche Reduzierung der Kauf-Volumina. Bis Ende 2017 noch kauft die Zentralbank monatlich für rund 60 Milliarden Euro staatliche Schuldscheine. Was dann kommt, steht in den Sternen.

Der Tod der Altersvorsorge

Das böse Erwachen für alle Sparer dagegen wird es auf jeden Fall geben. Dort, wo die Altersvorsorge der Deutschen auf privater Vorsorge und Betriebsrenten fußt, geht das Ersparte ohne eine Leitzinsanhebung schon jetzt den Bach runter. Was droht, ist Altersarmut in großem Stil. Vor einer wachsenden sozialen Ungleichheit in Europa warnt Prof. Dr. Gunther Schnabl. Sie sei eine weitere Folge der Nullzinspolitik, sagt der Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Leipzig. Europas Wohlstand basiere auf der Produktivität der Unternehmen. Billiges Geld wie nach der Finanzkrise nehme diesen Anreiz fort, bremse Innovation, Restrukturierung und Effizienzgewinne der Firmen. Letztendlich, so Schnabl, müssten das junge Menschen in Europa mit ihrem Abstieg aus der Mittelschicht bezahlen.

5.00 avg. rating (100% score) - 1 vote

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.